Emmanuel Carrère, Frankreich, 2020o
Die bekannte Schriftstellerin Marianne Winckler taucht für ihr neustes Buch in die Welt der prekären Arbeit ein. Sie findet eine Stelle als Putzfrau und entdeckt das Leben mit nur ein paar Euro in der Tasche. Es ist ein Kraftakt, aber nicht nur, denn während sie in diese Welt eintaucht, knüpft sie echte Beziehungen mit einigen ihrer Arbeitskolleginnen. Aus gegenseitiger Hilfe entsteht Freundschaft, aus Freundschaft entsteht Vertrauen. Doch was passiert mit diesem Vertrauen, wenn die Wahrheit ans Licht kommt?
Ouistreham erzählt die Geschichte einer französischen Autorin, die sich als Hilfskraft in eine Putzequipe einschleust, um die Arbeitsbedingungen dieser Frauen realistisch zu beschreiben und ihre Ausbeutung anzuprangern. Die besagten Frauen werden von echten Reinigungsfachkräften gespielt, die Autorin von Juliette Binoche, und während erstere mit einer erfrischenden Unbekümmertheit spielen, freut man sich darüber, dass die grosse Schauspielerin mit einer solchen Bescheidenheit auftritt. Im Laufe der Arbeit bilden sich Freundschaften zwischen der verdeckten Ermittlerin und den echten Arbeiterinnen und die Frage kommt auf, inwieweit der Zweck das Mittel des Vertrauensmissbrauchs heiligt. Auf dem Weg zu dieser moralischen Erkenntnis kommt es zu grossen Szenen, die lange nachhallen.
Der Film, der von einer unaufdringlich und bescheidenen Juliette Binoche angeführt wird, räumt den "unsichtbaren" Frauen einen grossen Platz ein. Sie werden alle von energischen, glänzenden, ja überwältigenden Debütantinnen verkörpert.
Der Film überlagert das zu Grunde liegende Sachbuch mit dem Paradoxon der Schauspielerin, die Marianne verkörpert, Juliette Binoche. In völliger Reinheit, umgeben von bemerkenswerten Laien, findet sie hier eine ihrer markantesten Rollen.
Der Film erweist sich nebenbei auch als die Offenbarung einer verblüffenden nicht-professionelle Schauspielerin, Hélène Lambert, die Juliette Binoche in der Rolle der betrogenen Freundin das Wasser reichen kann: jene Art von wundersamer Erscheinung, die es so nur im Kino gibt.
Au livre d’origine, le film superpose le paradoxe de la comédienne qui incarne Marianne, Juliette Binoche. Dans l’épure totale, entourée de non-professionnels remarquables, elle trouve là l’un de ses rôles les plus marquants.
Le film révèle au passage une actrice non-professionnelle stupéfiante, Hélène Lambert, qui tient la dragée haute à Binoche dans le rôle de l’amie trahie. Le genre d’apparition miraculeuse qui, pour le coup, ne peut arriver qu’au cinéma.
Une adaptation efficace et soignée de l’ouvrage de Florence Aubenas. Emmanuel Carrère trouve un juste équilibre entre le ton documentaire et l’émotion fictionnelle, et offre un bon rôle de maturité à Juliette Binoche.
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