Sebastián Lelio, Spanien, Chile, Deutschland, USA, 2017o
Marina ist als Transgender-Frau in Santiago de Chile glücklich mit ihrem ungleich älteren Freund Orlando zusammen. Als dieser unerwartet stirbt, begegnen die Behörden und Orlandos Familie ihr mit einer Gefühlspalette, die von leiser Irritation über Misstrauen bis zu offener Verachtung reicht. Doch Marina ist nicht bereit, sich verleugnen zu lassen und nimmt offene Konfrontationen in Kauf. Sie spitzen sich zu, als Orlandos Beerdigung naht.
Das ist das Grossartige am bislang wohl besten Film des Chilenen Sebastián Lelio, den man bei uns vor allem vom Single-Porträt Gloria und dessen US-Remake kennt: Una mujer fantástica ist keine jener simpel gestrickten Toleranz-Appelle, die mit ihrer Botschaft von der Gleichwertigkeit aller Menschen heute offene Türen einrennen. Im Gegenteil: Der Film oszillierte ständig zwischen Marinas Sichtweise und den unterschiedlichen Reaktionen auf ihre androgyne Ausstrahlung. Indem er die Titelheldin auch undiplomatisch agieren lässt und ihrem Umfeld bis auf eine Ausnahme keinen plumpen Sexismus unterstellt, stellt er mit jeder Szene aufs Neue die Frage, wie wir im Publikum auf Marina reagieren würden. Anders gesagt: Sich zur Toleranz zu bekennen ist eines, sie täglich zu leben etwas anderes. Die Mujer fantástica wird in der Tat fantastisch verkörpert von der transsexuellen Sängerin Daniela Vega, doch der gesamte Film ist aus einem Guss. Jede Rolle, jedes Kostüm und jedes Dekor sitzt, die Kamera, die Musik und der Schnitt durchsetzen die realistische Grundierung mit subtilen surrealen Einsprengseln. Nach einem verhaltenen Auftakt packendes, kluges Kino, 2018 prämiert u.a. mit dem Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film.
C'est ce qui fait la grandeur du meilleur film réalisé à ce jour par le cinéaste chilien Sebastián Lelio, également connu pour son portrait de femme célibataire Gloria et son remake ameréricain : Une femme fantastique n'est pas un de ces appels à la tolérance simplistes qui enfoncent des portes ouvertes avec leur message sur l'égalité entre les êtres humains. Au contraire, le film navigue constamment entre le point de vue de Marina et les différentes réactions que suscite son apparence androgyne. À travers le comportement clivant de l'héroïne et l'absence de sexisme grossier dans son entourage, à une exception près, chaque scène nous incite à nous demander comment nous réagirions face à Marina. En d'autres termes, professer la tolérance est une chose, la vivre au quotidien en est une autre. La femme fantastique du titre est certes incarnée de manière fabuleuse par la chanteuse transsexuelle Daniela Vega, mais l'ensemble du film est du même tenant. Chaque rôle, chaque costume et chaque décor touche juste, tandis que la photographie, la musique et le montage rehaussent l'ancrage réaliste de l'histoire de subtiles touches surréalistes. Une oeuvre aussi captivante qu'intelligente, récompensée en 2018 notamment par l'Oscar du meilleur film étranger.
Das ist ein Film ohne moralische Besserwisserei. Urteilend, wo ers muss, aber achtsam in seinen Urteilen. Seine stille Intensität allerdings gewinnt er durch die starke Figur einer Frau (Daniela Vega), die darum kämpfen muss, Frau sein zu dürfen; und darin liegt, wie man sagen könnte, seine natürliche Parteilichkeit.
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